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Das Jahr 1977

Die Situation der Weltwirtschaft wurde 1977 immer noch wesentlich von den Folgen der schweren Rezession 1974/75 bestimmt. Die Analysten machten weiterhin Investitionsschwächen, Überkapazitäten nach langjähriger Wachstumseuphorie und allenthalben Unsicherheiten im Umgang mit zentralen wirtschaftspolitischen Fragen aus. Unter den OECD-Staaten erhöhte sich das reale Bruttosozialprodukt um rund 3,5 Prozent (an der Spitze standen Japan mit +6 Prozent und die USA mit +4,8 Prozent), im EG-Raum um rund 2,3 Prozent.

Auch wenn in der Bundesrepublik von einer ökonomischen Krise keine Rede sein konnte, umschrieb die Deutsche Bundesbank in ihrem Geschäftsbericht die gesamtwirtschaftliche Situation im Jahr 1977 als „unbefriedigend“. Das Bruttosozialprodukt erreichte nicht die hohe Wachstumsdynamik des Vorjahres und nahm real um lediglich 2,4 Prozent zu. Der reale Gesamtumsatz in der Industrie zog mit einem Plus von 2,5 Prozent ebenfalls eher verhalten an. Die verarbeitende Industrie hatte darüber hinaus mit einem unzureichenden Auslastungsgrad ihrer Produktionsanlagen (ca. 80 Prozent) zu kämpfen, in die überdies häufig nicht genügend investiert worden war: Etwa 48 Prozent aller industriellen Anlagen waren 1977 älter als zehn Jahre. Immer bedeutender für das Wirtschaftsleben wurde schließlich die Arbeitslosigkeit, die kaum abnahm (1976: 1.060.300, 1977: 1.030.000) und seit Mitte der 1970er-Jahre vielmehr zu einem gesellschaftlichen Dauerproblem wurde.

Die chemische Industrie erzielte nicht mehr die herausragenden Ergebnisse des Vorjahres und erreichte mit einem Produktionszuwachs von bescheidenen 0,5 Prozent seit langem nicht einmal die Quote des gesamtindustriellen Wachstums. Die einzelnen Geschäftszweige der Chemiebranche entwickelten sich recht unterschiedlich: In der Produktion organischer Grundstoffe blieben Zuwächse aus, die Herstellung von synthetischem Kautschuk, von Pharmazeutika und von Düngemitteln erwies sich indes als lukratives Geschäft. Weltweite Überkapazitäten dämpften hingegen die Gewinne in der Chemiefaserproduktion. Ein eher schwaches Jahr erlebte auch der Maschinenbau. Die Nettoproduktion veränderte sich kaum (-0,1 Prozent), der Export sah sich durch die Aufwertung der DM und durch im internationalen Vergleich hohe Lohnnebenkosten unter verschärftem Wettbewerbsdruck und die Zahl der Firmenzusammenbrüche stieg (193).

Geschäftsbericht 1977